April 20

Wunderheilungen und Exorzismen

Die katholische Kirche Brasiliens hat Konkurrenz bekommen: Evangelikale Pfingstkirchen versprechen ihren Gläubigen Reichtum, Gesundheit und Seelenheil - für eine entsprechende Spende. Die Anhängerschaft steigt. Und auch das Vermögen dieser Kirchen.

20 Reais gegen Krankheiten
"Ich prophezeie euch allen: Ihr werdet geheilt werden!", ruft der Prediger im weißen Gewand ekstatisch ins Mikrophon. Vor dem Altar drängeln sich die Gläubigen. Manche haben Fotos ihrer kranken Angehörigen mit, manche weinen, andere zucken, wie in Trance. Auf Kommando rufen sie "Amen" oder "Hallelujah" oder begeben sich in stille Meditation. Assistentinnen in blauen Business-Kostümen gehen durch die Reihen und legen Betenden die Hand auf die Stirn.

In der evangelikalen Kirche Igreja Universal de Reino de Deus (Universalkirche des Königreich Gottes) in Goiania, der Hauptstadt des Bundesstaates Goias im Landesinneren Brasiliens, findet heute eine Heilungsmesse statt. Für eine Spende von nur 20 Reais (etwa zehn Euro) wird Gott alle Krankheiten besiegen - sei es Krebs, AIDS oder eine Unterleibszyste - verspricht der Prediger.

den ganzen Text gibts auf oe1.ORF.at

06:32 PM | 0 Comments
April 11

Das Jamaika Brasiliens

Sao Luis de Maranhao, an der Nordküste Brasiliens, ist ein Geheimtipp. Hier treffen indigene, afrikanische und europäische Kulturen aufeinander und schaffen eine Vielzahl an Musikstilen. Zudem ist Sao Luis die brasilianische Hauptstadt des Reggae.

Musikstadt Sao Luis de Maranhao

Insidern gilt Sao Luis de Maranhao, an der Nordküste Brasiliens, als eine der Musikhauptstädte Brasiliens. Noch ist die Stadt ein Geheimtipp, in die nur wenige ausländische Touristen und Touristinnen hinkommen. Sao Luis ist Hauptstadt des Bundesstaates Maranhao, hat knapp eine Million Einwohner und ist ein Schmelztiegel, in dem europäische, afrikanische und indigene Kultur aufeinander treffen.

Die Stadt wurde 1612 von den Franzosen gegründet und zu Ehren König Ludwig XIII benannt. Doch schon drei Jahre später eroberten die Portugiesen Sao Luis. Der Hafen wurde zum Sklavenmarkt, wo zuerst Indigene aus dem Amazonasgebiet und später Afrikaner "gehandelt" wurden, um auf den umliegenden Zuckerrohrplantagen zu arbeiten.

den ganzen Artikel gibt´s auf oe1.ORF.at

05:00 PM | 0 Comments
March 29

Sprechgesang aus Pernambuco

Wer glaubt, die Rapper und Hip Hopper hätten den Sprechgesang erfunden, der liegt völlig falsch. Die Altmeister der Reime, die Urväter des Poetry Slams, die findet man zum Beispiel im Nordosten Brasiliens. Etwa bei einem Nachmittagspaziergang durch Olinda.

Lustwandeln bei den kolonialen Zuckerbaronen
Am Sonntag machen viele BewohnerInnen Recifes, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Pernambuco einen Ausflug ins benachbarte Olinda. Dort war die ältere Ansiedelung der portugiesischen Kolonialherren in dieser Region. Die Zuckerbarone bauten dort ihre Stadtresidenzen. Das heutige Recife war damals der Hafen, an dem das Zuckerrohr verschifft wurde und wo die afrikanischen Sklaven ausgeladen wurden, die das Zuckerrohr schneiden sollten.
Doch irgendwann änderte sich das. Die Geschäftsleute aus Recife kämpften mit den Plantagenbesitzern aus Olinda um die Macht und setzten sich durch. Recife wurde zur Metropole. Es zählt heute knapp drei Millionen EinwohnerInnen. Die Altstadt von Olinda wiederum ist heute eine Art Freilichtmuseum. Ein entzückender Ort mit bunten, sauber renovierten Kolonialhäusern. Ein Ort für TouristInnen, KünstlerInnen und eben SonntagsausflüglerInnen, die dem Lärm Recifes entkommen wollen.

Die Doktorin und der Künstler
In Olinda flaniert man dann auf dem Hügel zum Praca da Se und kauft sich bei einem der zahlreichen Essenstände ein Tapioca, eine Art gefülltes Omelette aus dem Mehl der Maniok-Wurzel. Wahlweise mit Fleisch und Käse oder mit Banane und Schokosauce gefüllt. Ich mehr die Herbe, Johannes der Süße.
Man genießt die beinahe kitschige Aussicht auf die Altstadt und das dahinterliegende Meer. Und wenn man Glück hat, dann bekommt man auch ein Ständchen dargeboten. Am Alto da Se trifft man nämlich sogenannte „Repentistas“. Das sind Duos von älteren Herren mit Steelgitarren (Violas). Sie nähern sich BesucherInnen und dichten ihnen spontan Verse: Sprechgesang in Form von Doppelconferencen:
„Diese jungen Leute hier kauen Tapioca. Die wissen, wie man sich gut ernährt. Ich glaub, die sind aus Porto Alegre oder Santa Cantarina.“ – „Nein, nein, die kommen aus Sao Paulo, aus Minas Gerais oder Rio. Die da ist, glaube ich, Doktorin und der junge Mann schaut aus, als ob er Künstler wäre.“
Sie verdächtigen uns, aus dem Süden Brasilliens zu kommen. Das wäre durchaus denkbar, denn dort gibt es viele Menschen mit heller Haut und blauen Augen. Dort gibt es immerhin auch Ortschaften, die „Blumenau“ heißen und Oktoberfeste feiern.

Die kleine Löwin und die Liebe
Repentistas gab es früher angeblich auch in Portugal und heute lebt diese Tradition vor allem im Nordosten Brasiliens weiter. Der Begriff kommt vom portugiesischen Wort „repente“, was soviel heißt, wie „auf der Stelle“. Die Kunst besteht nämlich darin, sich möglichst schnell spontan etwas passendes für die jeweiligen ZuhörerInnen auszudenken. Dabei treten die beiden Dichter quasi in den Wettstreit miteinander, wer die originelleren Verse erfindet.
Die Volkspoeten beschreiben, wie die Leute aussehen, was sie gerade tun, stellen Mutmaßungen über Beruf und Herkunft an und Spekulationen darüber, ob die Beziehung des jeweiligen Pärchens harmonisch verläuft. Wir haben Glück: „Er findet diese kleine Löwin aufregend. Und sie ist ganz glücklich, wenn sie in seiner Nähe sein darf.“ Echte Menschenkenner, kann man nur sagen.
Die Musik dazu ist relativ monoton. Hier in Recife bzw. Olinda spielen die Musiker auf Violas, in anderen Regionen können es auch Perkussionsinstrumente sein, z.B. das Schellentambourim Pandeiro. Das bekannteste Repentista-Duo sind Caju & Castanha (Cashew und Erdnuss), ebenfalls aus Recife.

Das Schneetreiben und der Hitler
Nach mehreren falschen Rateversuchen, verraten wir es den beiden Sprechsängern schließlich: wir kommen aus Österreich, aus Wien.
Und was ein echter Repentista ist, der hier in Olinda auf TouristInnen aus aller Welt trifft, der hat sich natürlich informiert über diverse Länder. Zum Beispiel über das dortige Wetter: „Sie sind aus Wien, gekommen aus der Kälte, hierher nach Brasilien, wo das Klima besser ist.“ Vor ein paar Tagen erst haben wir erfahren, dass es in Österreich wieder zu schneien begonnen hat. Und wir freuen uns gleich noch viel mehr, hier zu sein.
Aber auch über Geschichte wissen sie Bescheid, die Repentistas von Olinda: „Er wohnt in dem Land, das damals den Hitler verehrt hat.“ – „Ja, ja, der Hitler, das war ein fürchterlicher Kerl. Aber dieser junge Mann hier, der ist in Ordnung.“
Aber um ganz ehrlich zu sein, wären uns ein paar Zeilen über Kängurus fast lieber gewesen.

12:43 PM | 0 Comments
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Die beiden Repentistas, die uns ein Staendchen gesungen haben.

12:05 PM | 0 Comments
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Der Ausblick vom Largo da Sé.

12:04 PM | 0 Comments
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Die Altstadt von Olinda.

12:03 PM | 0 Comments
March 28

Der "Held" von Candeal

Das Armenviertel Candeal in der nordostbrasilianischen Stadt Salvador da Bahia hat einen berühmten Sohn: den Musiker Carlinhos Brown. Dieser fördert dort seit mehr als zehn Jahren Sozialprojekte, um die Lebensumstände im Viertel zu verbessern.

Vom Slumbewohner zum Superstar

In Candeal, einem Stadtviertel in der Drei-Millionen-Metropole Salvador da Bahia, ist Carlinhos Brown so etwas wie ein Volksheld. Denn das Viertel mit seinen 5.500 Bewohnern und Bewohnerinnen hat dem Musiker einiges zu verdanken. Carlinhos Brown ist heute einer der Superstars der reichhaltigen Musikszene von Salvador da Bahia. Seinen Künstlernamen hat er zu Ehren von Soullegende James Brown angenommen. Seine Musik ist eine Mischung aus allen möglichen "schwarzen" Stilrichtungen: dem Samba-Reggae (dem Rhythmus der Afrobrasilianer in Salvador), Funk, Soul und Rock. Berühmt wurde er auch mit der Band Tribalistas und der Percussiongruppe Timbalada, die vor allem bei den Karnevalsumzügen von Salvador in Erscheinung tritt. Carlinhos Brown wurde 1962 in eben diesem Stadtviertel geboren. Damals war Candeal eine ärmliche Enklave umringt von Wohngegenden der Mittelschicht, ein Slum, in den sich viele nicht hinein wagten.

den vollstaendigen Text gibts auf oe1.ORF.at

01:05 PM | 0 Comments
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Die Musikschule Pracatum im Stadtviertel Candeal.

12:26 PM | 0 Comments
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Daniela Aguiar, Backgroundsaengerin von Carlinhos Brown.

12:23 PM | 0 Comments
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Eine Strasse fuer Bob Marley: In der Rua Bob Marley wurden einige Haeuser saniert.

12:20 PM | 0 Comments
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